Der lange Heilungsweg nach dem Burnout-Zusammenbruch

Burnout kommt nicht unvorhergesehen und plötzlich wie ein Unfall, Burnout verläuft immer in Phasen. Die ersten Phasen können sogar Jahre oder Jahrzehnte andauern. Erst am Ende eines langen Weges, wenn alle Phasen durchschritten bzw. durchlitten sind, steht der Zusammenbruch.

Nach einem Zusammenbruch kommt allerdings ein noch längerer Weg: der Heilungsprozess. Und ob man seine alte Leistungsfähigkeit wieder erreichen kann, ist ungewiss. Kaum ein Patient, der einen Zusammenbruch erlitten hat, wird wieder der “Alte”, er wird den Rest seines Lebens mit der Krankheit leben müssen, ständig auf der Hut, sich nicht erneut zu überfordern.

Was passiert nach einen Zusammenbruch?
In erster Linie ist es unumgänglich, dass der Patient seine belastende Lebenssituation verlässt. Eine längere Auszeit im Krankenstand oder ein Klinik-Aufenthalt ist zwingend erforderlich. In dieser Zeit muss er medizinisch und psychologisch versorgt werden.

In der Aus- oder Klinikzeit findet er sich selbst wieder, betreibt viel Selbstreflexion und kann die schädlichen Muster oder Antreiber aufdecken (z.B. “Perfektionismus” oder “sich unter Druck setzen müssen”), die ihn unbewusst dazu “gezwungen” haben, ständig seine eigenen Grenzen zu überschreiten und Raubbau an seinem eigenen Körper zu betreiben.

Danach beginnt die eigentliche Arbeit: der Patient muss lernen, sich von seinen schädlichen Mustern oder Antreibern zu verabschieden, d.h. alte Gewohnheiten zu durchbrechen und neue alternative Verhaltensmuster oder Handlungsweisen zu etablieren. Zudem muss er seine Lebensstruktur und seinen “Alltagstrott” umstellen. Ein Leben, das einen Burnout verursacht hat, ist kaum geeignet, einen Burnout-Rückfall zu verhindern. Mit diesem Rüstzeug wird er in die Welt entlassen und muss sich neu behaupten. Besonders wertvoll und wichtig ist es, dabei einen Menschen (Therapeut oder Burnout-Coach) zu haben, der ihn begleitet und verhindert, dass alte Gewohnheiten wieder Einzug halten können.

Doch auch wer als “gesund” entlassen wird, hat noch einen weiten Weg vor sich. Auch noch lange Zeit danach ist man kaum lebensfähig und schon gar nicht arbeitsfähig. Auf einen guten Tag folgen schlechte Tage, der Körper bleibt unberechenbar und jede kleine Belastung muss man an den kommenden Tagen bitter büßen, wenn der Körper wieder in die Knie geht. Dabei wirken die Betroffenen doch ganz gesund, sehen weder krank noch gebrechlich aus. Doch gerade dieser Umstand ist ein Handicap, denn eine Umwelt reagiert auf jemanden, der nicht krank aussieht auch nicht besonders einfühlsam oder rücksichtsvoll.

Die ARD strahlte am 5.8.2012 ein Portrait des Kanusportlers und Personal Trainers Daniel Schulte-Kump aus, der auf eindrucksvolle Weise seinen Weg nach seinem Burnout-Zusammenbruch im Jahr 2009 schildert. Der damals 29-Jährige verlor alles: seine Gesundheit, seine Existenz und seinen Lebensmut. Hier geht es zu Daniel Schulte-Kumps Heilungsweg.

Zum Trost sei gesagt: Es muss nicht zum Zusammenbruch kommen, denn Burnout nimmt auch davor schon Zustände an, die sich kaum ertragen lassen und die man, anders als in der Burnout-Anfangsphase, nicht übersehen kann. Vor einem Zusammenbruch ist es immer möglich, mittels geeigneten Präventionsmaßnahmen, den Absprung zu schaffen.

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