Gastbeitrag: Tabu-Thema Burnout: Tipps für Angehörige

Eines steht fest: Das Burnout-Syndrom ist für Betroffene oft unerträglich. Doch auch Angehörige haben mit der Krankheit schwer zu kämpfen. Sie stehen vor der schwierigen Aufgabe, ihren Liebsten beiseite stehen zu wollen, ohne zu wissen, wie. Wir möchten hier einige Anregungen geben, wie Burnout-Opfer unterstützt werden können, ohne überfordert zu werden.

Betroffene ernst nehmen

Burnout hat einen schlechten Ruf. Oftmals werden Betroffene belächelt und als lediglich sehr gestresst oder wehleidig missverstanden und die Krankheit unter den Teppich gekehrt. Doch das Syndrom ist eine ernstzunehmende Krankheit, und bevor sowohl Betroffene als auch Angehörige das nicht verstehen, kann es zu keiner Besserung kommen.

Die Menschen, die unter Burnout leiden, sind oft selbst ratlos und fühlen sich auf Grund ihres Leidens lächerlich. Wenige wollen sich eingestehen, dass sie ein Problem haben. Werden sie zusätzlich noch von außen belächelt, wird ihre Unsicherheit potenziert und sie kapseln sich ab. Aus diesem Grund ist es essentiell, den Betroffenen zu zeigen, dass man sie und die Krankheit hundertprozentig ernst nimmt, versteht und für sie da ist. Auf Paradisi haben wir einige hilfreiche Tipps zu den zwei wichtigen Säulen der Unterstützung von Burnout-Opfern gefunden: Respekt und Geduld.

Sich Informieren

Die größte Hürde für Angehörige ist meist das Verstehen. Zwar ist Burnout dieser Tage in aller Munde, das Wissen des durchschnittlichen Bürgers ist jedoch sehr oberflächlich und mit Vorurteilen belastet (so kennt man Burnout oft als „Managerkrankheit“). Um tiefgehend begreifen zu können, was gerade mit dem Nahestehenden passiert, müssen sich Angehörige gut in die Materie einlesen. Im Burnout-Forum gibt es viele Artikel zur Einführung in das Thema, so etwa dazu, was Psychosomatik bedeutet.

Annäherung und Begleitung

Burnout-Opfer fühlen sich unmotiviert, hoffnungslos überfordert und zu nichts im Stande. Oft haben sie auch schwere Angstzustände und Depressionen. Sie kapseln sich häufig rigoros von ihren Angehörigen ab und meiden den Kontakt zu Mitmenschen. Hier gilt es, immer wieder Versuche zu starten, an den Betroffenen heranzukommen, ohne ihn jedoch zu überfordern. Meist ist es das Beste, ihn immer wieder daran zu erinnern, dass man da ist, anstatt ihn zu bedrängen. So kann der Betroffene die Hilfe dann annehmen, wenn er dazu bereit ist.

Organisatorisches übernehmen

Der hohe Grad an Unmotiviertheit  führt bei Burnout-Opfern oft zur völligen Immobilität und der Unfähigkeit, selbst kleine Aufgaben zu erledigen – ob in der Arbeit oder zu Hause. Deshalb können Angehörige zur Linderung beitragen, indem sie Aufgaben, die anfallen, übernehmen. Zum Beispiel könnten Informationen für die Krankschreibung in der Arbeit gesammelt, Telefonnummern von Therapeuten recherchiert oder Selbsthilfebücher besorgt werden – natürlich nur auf Anforderung hin und ohne dabei den Betroffenen zu überrumpeln.

Ebenso kann man sich in der Zeit jedoch als Angehöriger um Haushaltsaufgaben kümmern, bei Einkäufen helfen oder offene Rechnungen begleichen – alles, was der Betroffene in seiner Leidenszeit nicht mehr selber schafft.

Die letzte Lösung: Der Gang zum Arzt

Wenn alle Unterstützung nichts mehr hilft, kann wohl nur noch ein Arzt helfen. Gerade bei psychischen Problemen ist das Aufsuchen desselbigen aber oft eine große Hürde. Deshalb ist es hier Ihre Aufgabe, Ihren Angehörigen beizustehen und die Angst vor der Therapie zu nehmen, so dass die Betroffenen selbst die Notwendigkeit der Hilfe Anderer erkennen.

Der wichtigste Tipp für Angehörige: Nicht die Passivität, die die Krankheit begleitet, mit eigenem blinden Aktionismus verstärken, sondern mit kleinen Anregungen die Aktivität des Leidenden fördern.

3 thoughts on “Gastbeitrag: Tabu-Thema Burnout: Tipps für Angehörige

  1. Ein echt spannendes Thema. Ich war auch ein über motivierter Arbeiter, ehrgeizig machte viele um auf der Arbeit beliebt zu sein und natürlich der Chefetage zu gefallen. Aber nach einiger zeit ging es nur noch “Down” und ich fragte mich: wo zu das ganze? Habe dann alles liegen gelassen und habe mit sogar professionelle Hilfe aufgesucht. Es ist glaube ich am schwersten sich das ganze einzugestehen, weil keiner will heutzutage in irgendeiner weise versagen oder sich dieses ansehen lassen. Die haben mir dann schnell in mein Leben und meine Selbstverantwortung zurück geholfen. Jetzt Arbeite ich auch noch aber deutlich entspannter, lockerer, und unternehme viel mit der Familie bzw. mit menschen die mir mehr bedeuten und mich nicht nur durch meine Leistung sehen.
    Es ist glaube ich am schwersten sich das ganze einzugestehen, weil keiner will heutzutage in irgendeiner weise versagen oder sich dieses ansehen lassen.

  2. Sehr guter Beitrag!
    Es ist in der Tat sehr wichtig, dass der Betroffene und deren Angehörigen gut über das Burnout-Syndrom informiert sind.

    Viele Grüße
    Kirsten

  3. Ein echt spannendes Thema, leider immer noch ein Tabu Thema. Ich versuche das jetzt ein bisschen zu sprengen und erzähle kurz meine Geschichte. Ich war auch ein über motivierter Arbeiter, ehrgeizig machte viele um auf der Arbeit beliebt zu sein und natürlich der Chefetage zu gefallen. Aber nach einiger zeit ging es nur noch “Down” und ich fragte mich: wo zu das ganze? Habe dann alles liegen gelassen und habe mit sogar professionelle Hilfe aufgesucht. Die Leute haben mir geholfen durch verschieden Flowkuren und Methoden wieder in meine Normalität zurück zu kehren und auch dort zu bleiben.
    Es ist glaube ich am schwersten sich das ganze einzugestehen, weil keiner will heutzutage in irgendeiner weise versagen oder sich dieses ansehen lassen. Die netten Leute von HumanFlow (wenn ich das erwähnen darf) haben mir dann schnell in mein Leben und meine Selbstverantwortung zurück geholfen. Jetzt Arbeite ich auch noch aber deutlich entspannter, lockerer, und unternehme viel mit der Familie bzw. mit Menschen die mir mehr bedeuten und mich nicht nur durch meine Leistung sehen. Mit solchen sollte man sich umgeben die einem Kraft geben und dienen Unterschützen (sehr Wichtig), aber man muss auch selber lernen auf die sogenannten Symptome zu achten. Wenn es zu viel wird sollte man abschalten und etwas unternehmen, sich erholen, entspanne.
    Toller Artikel, Gruß Mark.

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