Trägt die Gesellschaft zu Burnout bei?

Zu gerne finden wir einen Sündenbock, dem wir die Schuld an unserer Misere geben können. Das ist auch bei Burnout nicht anders. Zuerst sind die anderen Schuld, der Arbeitgeber, der uns unter Druck setzt, die äußeren Umstände oder die Familie, die nur fordert und nichts gibt. Und gerne wird hier auch die Gesellschaft heran gezogen.

Gesellschaft und Burnout

Welchen Beitrag hat die Gesellschaft an Burnout?

Doch welchen Anteil trägt die heutige Gesellschaft zum Phänomen Burnout bei? Beziehungsweise trägt sie überhaupt etwas dazu bei?

Die Gesellschaft hat einen enormen Einfluss auf unser Leben und vor allem auf unser Denken. Und das ist der eigentlich Knackpunkt: unser Denken. Der Einfluss, den die Gesellschaft auf unsere Meinung ausübt, kann unbestritten Burnout fördern oder gar verursachen.

Viele unserer Klienten stehen unter diesem “imaginiären?” Druck oder besser gesagt läuft das Kopfkino auf Hochtouren, wenn es darum geht, was man machen kann und was nicht, wie etwas angesehen wird oder was die Anderen von einem denken. So kommt es oft nicht in Frage etwas zu tun, was aus dieser angenommenen Norm fällt.

Ein selbstständiger Klient z.B., der dringend mehr Zeit zum regenerieren benötigte und aktiv Burnout-Prävention betreiben müsste, konnte sich nicht dazu durchringen, morgens länger zu schlafen und den Tag in Ruhe und Achtsamkeit zu beginnen oder abends ab und an schon früher nach Hause zu gehen, um zu meditieren und abzuschalten. Er hätte dadurch nicht mal finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen, er hatte sein Auskommen und hätte sich diesen “Luxus” zugunsten der Gesundheit gut leisten können. Sein Kopfkino bzgl. den gesellschaftlichen Normen machte ihm ein Strich durch die Rechnung. Was sollten denn die Nachbarn denken, wenn sie sehen, dass sein Auto morgens bis in den späten Vormittag in der Auffahrt stand oder abends bereits ab15.00 Uhr? Diese Vorstellung war für ihn so unerträglich, dass er auf die bitter benötigte Regeneration verzichtete.

Oder eine andere Klientin, die es nicht schaffte, auf verschiedene gesellschaftliche Veranstaltungen zu verzichten, da sie dachte, man erwarte dort ihre Anwesenheit. Obwohl sie diese Veranstaltungen langweilig fand, sich überwinden musste und sich regelrecht dorthin schleppen musste, konnte sie sich nicht dazu durchringen die Veranstaltungen zu “schwänzen” und die Zeit sinnvoll für sich nutzen.

All diese Beispiele sind schon recht traurige Beispiele und zeigen den Druck, den die Gesellschaft vermeintlich auf uns ausübt. Doch was erwartet die Gesellschaft denn nun von jedem Mitglied? Oder was denken wir, wie wir sein müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden?

Gesellschaftlich anerkannt ist, wer Wohnsitz und Arbeit hat und das von außen erkennbar ist, indem er morgens sein Heim verlässt und abends wieder nach Hause kommt. Es steht zwar nirgendwo auf Papier geschrieben, doch das scheint die landläufige Meinung zu sein. Eigentlich traurig, denn genau diese Einstellung und das zwanghafte sich danach richten müssen, fördert Burnout.

Dennoch muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass jeder Burnout Betroffene sich in erster Linie an die eigenen Nase fassen muss. Es gibt zwar immer äußere Rahmenbedingungen, die man nicht ändern kann, aber dennoch hat jeder Mensch eine Wahl und die Fähigkeit, wenn nicht die Rahmenbedingungen dann doch zumindest sich zu verändern, indem er an seiner Einstellung und Sicht auf die Dinge arbeitet.

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