Wenn die Auszeit zur Qual wird

Burnout Betroffene quälen sich durch ihren Alltag. Neben der Erschöpfung und Müdigkeit, die sie kaum einen Fingerstreich verrichten lässt, kommen noch zahlreiche Beschwerden und Schmerzen. Da ist eine Auszeit die ersehnte Erleichterung aus dem anstrengenden Alltag, in der endlich Erholung und Regeneration möglich werden kann. So sollte es sein, doch unsere Klientin, Frau Heike L. berichtet das Gegenteil:

“Nach mehreren schweren Zusammenbrüchen, die ich ärztlich nicht behandeln ließ, ging es irgendwann überhaupt nicht mehr und ich stimmte der Krankschreibung durch meinen Hausarzt zu. Ich begann eine Therapie und erholte mich schnell von meinen körperlichen Beschwerden. Als Unternehmerin hatte ich in der letzten Zeit, in der ich kaum noch leistungsfähig war sowieso alles verloren. Um die wenigen Kunden, die ich noch hatte, musste sich mein Geschäftspartner kümmern, weil ich es nicht mehr schaffte und logischerweise zog er diese dann auch ab. Ich stand also vor dem nichts. Trotz der Therapie, der Muse und der Ruhe in der Auszeit, wurde diese bald unerträglich. Die Existenzangst gepaart mit der erzwungenen Handlungsunfähigkeit wurden für mich zur Qual. Ich war wie ein Tiger im Käfig. Von Entspannung konnte keine Rede sein. Zusätzliche Probleme in der Ehe kamen noch hinzu. Durch meine ständige schlechte Stimmung und mein daraus resultierendes kontraproduktives Verhalten stritten mein Mann und ich uns ständig. Jeder Versuch mich aufzuheitern oder mir etwas Gutes zu tun, wurde von mir niedergeschmettert. Ein gemeinsames schönes Wochenende war nicht mehr möglich. Schließlich arrangierten wir uns und gingen uns aus dem Weg. So sah dann die Auszeit aus: Die Wochenenden frustrierend, ich hockte in der Küche oder im Wohnzimmer, wusste nichts mit mir anzufangen und starrte stundenlang die Wand an. War es endlich Montag kam dieses ungeheure Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit über mich, das auch die ganze Woche erfüllte und mich fast in den Wahnsinn trieb. Ich wusste und spürte, dass ich selbst nach meiner Genesung nicht die Kraft hatte, mein Unternehmen wieder von Null aus aufzubauen, noch würde ich fähig sein, einen Vollzeitzeit-Job anzutreten. Auch mein Arzt hatte mir von Anfang an erklärt, dass meine volle körperliche Leistungsfähigkeit nie wieder hergestellt würde. Es gelang mir nicht, einen neuen Lebensplan zu entwerfen oder neue Perspektiven zu sehen. Schließlich war eine der Ursachen, die mich in den Burnout trieb, dass ich verlernt hatte, meine Bedürfnisse zu spüren. Diese haben sich bis Dato noch nicht wieder gemeldet, so dass ich nicht das geringste Gespür dafür habe, was mein weiteres Leben noch mit Sinn und Freude erfüllen könnte und zusätzlich noch meine Existenz sichern könnte. Dieser “Schock-Zustand” stellt also meine Auszeit dar, völlig anders als erwartet oder wie es überall kommuniziert wird. Schade!”

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