Zeitverschwendung Schlaf

Schlaf ist in unserer Gesellschaft ein lästiges Übel geworden. Frei nach dem Motto “schlafen kann ich, wenn ich tot bin”, verzichtet man gerne auf Schlaf zugunsten von Freizeitaktivitäten oder Arbeitseinsätzen. Selbst wenn man sich vornimmt, einmal früher schlafen zu gehen, gibt es noch dies und jenes zu erledigen, z.B. die Vorbereitung auf den Termin am nächsten Tag oder die Wäsche, die noch eben durchgewaschen werden sollte und ehe man sich’s versieht, ist es schon wieder so spät wie üblich.

Gefördert wird dieser “Anti-Schlaf-Trend” noch von den vielzähligen Möglichkeiten, die einem heute offen stehen. Früher war irgendwann am späten Abend Sendeschluss, heute kann man sich rund um die Uhr von den Medien berieseln lassen. Auch verschiedene Freizeitangebote wie Fitness-Studios bieten einen 24 h Stunden Service an. Der Trend, dass Einkaufsmöglichkeiten wie in den USA bis spät in die Nacht verfügbar sind, machen erste Lebensmittelketten bereits vor. Und auch wer arbeiten will, hat gute Chancen. Dank neuer Medien und aufgrund der zunehmenden Globaliesierung ist eine Telefonkonferenz mit fernen Ländern schon mal nachts zu verrichten, wenn es in Asien z.B. früher Nachmittag ist. Vielbeschäftigte nutzen die frühen Morgen- und die späten Abendstunden besonders gerne, um endlich mal in Ruhe arbeiten zu können.

Im Vergleich zum Schlafverhalten vor 100 Jahren schlafen wir heute rund eine bis zwei Stunden weniger. Aber brauchen wir heute tatsächlich weniger Schlaf? Reichen sechs bis sieben Stunden Schlaf aus? Forscher fanden heraus, dass wenn man Menschen auf ihr natürliches Schlafverhalten hin testet, sich der nächtliche Schlafbedarf auf ca. 10,3 Stunden einpendelt. D.h. ausreichend Schlaf ist mit 9-10 Stunden zu beziffern.

Wer dauerhaft zuwenig schläft und sich somit entgegen seinem biologischen Rhythmus verhält, indem er arbeitet obwohl er müde ist, muss logischerweise auch mit Konsequenzen rechnen: Schlafmangel mindert die Leistungsfähigkeit. Unausgeschlafen ist man weniger aufmerksam, weniger kreativ und vor allem weniger scharfsinnig, so dass sich Fehler und Fehlentscheidungen häufen können.

Auf der körperlichen Ebene fördert Schlafmangel den Alterungsprozess und die Anfälligkeit für Krankheiten und Infekte. Immunabwehr und Schlaf sind eng aneinander gekoppelt. Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Gedächtnisstörungen wurden bei Schlafmangel ebenfalls vermehrt fest gestellt.

Sich bewusst gegen Schlaf und für noch mehr Aktivität zu entscheiden, führt also geradezu in die Burn-Down-Spirale.

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